(Ho) Mit unseren Häusern ist es
im Winter genauso wie mit unseren Autos: Sie müssen winterfest gemacht
werden. Beim Auto gilt dies vor allem für das Spindeln des Kühlwassers,
um den Anteil des Glykols als Frostschutzmittel zu kontrollieren, ebenso
für die Kontrolle des Ladezustandes der Batterie und selbstverständlich
für die Kontrolle und Montage des Winterreifensatzes. Ach ja: Bitte
auch die Kontrolle des ausreichenden Scheibenwaschwassers und der Scheibenreinigungsflüssigkeit
nicht vergessen. Sie denken, alles das sei selbstverständlich? Nun,
was jeder besonnene Autofahrer bei der Prüfung seines Fahrzeugs auf
Wintertauglichkeit für selbstverständlich hält, das wird
bei Häusern oft sträflich vernachlässigt. Auch hier ist
eine gründliche Inspektion im Herbst wichtig, damit das Haus im Winter
keinen Schaden erleidet. Wesentliche Punkte sind die Suche nach Schwachstellen
an der Gebäudeaußenwand einschließlich des Daches sowie
das Vorbereiten der Heiztechnik auf den Winter. Da im Falle festgestellter
Reparaturnotwendigkeiten Außenarbeiten anfallen können, sollte
das Haus möglichst ausreichende Zeit vor dem ersten Schnee und dem
ersten Frost auf seine Winterfestigkeit kontrolliert werden. Folgende
Punkte sind besonders zu beachten:
Dach
Das Dach ist auf lose oder zerbrochene Dachziegel oder Schindeln zu kontrollieren.
Das gilt auch für den Kamin. Hier ist insbesondere auf feine Risse
und Undichtigkeiten zu achten. Auch die Innenseite des Daches muss in
Augenschein genommen werden. Ist der Dachstuhl nicht ausgebaut, ist auf
dunkle Verfärbungen am Gebälk oder auf Korrosion an Schrauben
zu achten. Beide Merkmale sind Hinweise auf eindringendes Wasser. In einem
gedämmten und ausgebauten Dachgeschoss sind Feuchtigkeitsflecken
an den Wänden oder Verformungen der Wandfläche immer Anzeichen
von Feuchtigkeits- und Nässeschäden, die sich aus Schäden
in der Dacheindeckung ergeben. Neben der Gefahr eines Wasserschadens ist
im Winter vor allem auf die Sprengkraft des Frostes hinzuweisen. Sie entsteht,
wenn Wasser zu Eis gefriert. Feuchtigkeits- und Frostschäden sind
ebenso verantwortlich für einen weit überhöhten Heizenergieverbrauch.
Dachrinnen und Abflussrohre
Dachrinnen und Abflussrohre müssen von Laub und Moosen gereinigt
werden. Sind sie verstopft, staut sich das Wasser. Jeder weiß: Wasser
sucht sich seinen Weg. Es dringt also auf andere Weise in die Gebäudehülle
ein.
Auch hier gilt:
Die Schäden werden bei Frost schwerwiegender, wenn das Wasser gefriert
und sich als Eis ausdehnt.
Bei Flachdächern können verstopfte Abläufe auch zu einer
höheren Belastung des Daches bis hin zu Einsturzgefahren führen.
Zu der höheren Belastung kommt es, wenn sich Regen- und Tauwasser
oder Schnee und Eis über Gebühr auf dem Dach ansammeln und nicht
abgeführt werden können.
Sind die Rinnen und Fallrohre gesäubert, müssen sie auf mögliche
Defekte überprüft werden. Beispiele sind undichte Verbindungsmuffen
und beschädigte Abweisgitter. Sie sind auszutauschen.
Drainage
Besitzt das Haus eine Ringdrainage, sollte ein Fachmann die Funktionsfähigkeit
der Drainage regelmäßig prüfen und die Drainage reinigen.
Außenwasserhähne
Sobald Frost droht, müssen Wasserleitungen, die durch das Mauerwerk
nach Außen führen und dort in einen Außenwasserhahn münden,
abgesperrt und entlüftet werden. So wird erreicht, dass in der Wasserleitung
keine Wassersäule mehr vorhanden ist, die bei Frost einmal zu Eis
gefroren die Wasserleitung sprengt. Also: Absperrventile schließen,
Wasserleitung nach Außen leerlaufen lassen und schließlich
den Außenwasserhahn offen lassen.
Fassade
Die Fassade ist daraufhin zu untersuchen, ob sich unter Mauerkronen oder
Fensteröffnungen feuchte Stellen finden. Die Ursache muss gefunden
und beseitigt werden. Auch hier ist wieder an die Sprengkraft des Frostes
zu erinnern. Z. B. müssen porös gewordene Fugen neu versiegelt
oder Abdeckungen etwa in Form vom Dachdeckerblechen erneuert werden. Putzflächen
sind auf Risse zu untersuchen. Dringt hier Feuchtigkeit ein und wird der
Putz „hinterläufig“, kann man fast sicher davon ausgehen,
dass der Winter zu großen Putzabplatzungen führt, was weitere
Durchfeuchtungen des Mauerwerkes bis in den Innenraum des Hauses hinein
nach sich ziehen kann. Niemals vergessen: Wasser und Frost sind die größten
Feinde unserer Häuser.
Fensterläden und Rollläden
Die Verankerungen von Fensterläden und die Gummis in Führungsschienen
von Rollläden sollten überprüft werden. Gummidichtungen
sollten mit Silikonspray frostunempfindlich sowie weich und geschmeidig
gehalten werden.
Fenster und Außentüren
Ob Fenster und Außentüren dicht schließen, lässt
sich am besten bei Wind beobachten. Notfalls muss die Einstellung korrigiert
oder auch mit einem zusätzlichen Dichtgummi oder einer Dichtungsbürste
zum Aufkleben nachgeholfen werden. Auch alle vorhandenen Dichtgummis sollten
kontrolliert und auf die eben beschriebene Weise gepflegt werden. Türschlösser
sollten mit Graphit gängig gehalten werden. Pure Öle sind zu
vermeiden. Sie verharzen, härten aus und beeinträchtigen den
Gebrauch der Schlösser.
Heizung
Im Idealfall wird die Heizung vor Beginn der Heizperiode von einem Fachmann
gewartet. Die Wartung umfasst das Reinigen der Heizung sowie die Abgasmessung,
selbstverständlich auch den Austausch von Verschleißteilen.
Damit ist garantiert, dass die Heizung im Winter gut durchläuft.
Neben der Reinigung sollte der Heizbrenner optimal eingestellt und die
Einstellung der Pumpe überprüft werden. Das Entlüften der
Heizung darf nicht vergessen werden. Wo sich im Heizsystem, insbesondere
in den Heizkörpern, Luft befindet, kann erwärmtes Wasser innerhalb
des Heizungskreislaufes nicht „anlanden“: Die Heizung bleibt
in den betroffenen Bereichen kalt und Heizenergie wird sinnlos verpulvert.
Luft steigt im Heizkreislauf immer nach oben. Deshalb ist mit dem am
höchsten gelegenen Heizkörper bei der Entlüftung zu beginnen.
Der Heizkörper ist am Eckventil solange mit einem Vierkantschlüssel
zu entlüften, bis ein „satter“ Wasserstrahl austritt.
Wegen der aufgestiegenen Luft ist von oben nach unten vorzugehen. Etwa
im Keller befindliche Heizungen kommen also zuletzt an die Reihe. Nicht
vergessen: Nach dem Entlüften muss der Wasserdruck im Heizungssystem
kontrolliert werden. Evtl. muss Wasser nachgefüllt werden.
Nun kann der Winter mit seiner besinnlichen und gemütlichen Adventszeit
kommen. Das winterfest gemachte Haus bürgt dann für eine wirklich
behagliche Zeit.
© Dr. Hans Reinold Horst
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